Geistiges Eigentum in der Praxis - Teil 4

Mon entreprise Publié le 10.10.2019

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Die „Afterworks de la Propriété Intellectuelle“ finden in diesem Herbst bereits in der vierten Auflage statt. Wie schon in den Jahren zuvor dreht sich bei diesen Abendveranstaltungen alles rund um Themen des geistigen Eigentums. 

Ziel ist es, luxemburgischen KMU praktisch aufzuzeigen, welche Chancen Rechte am geistigen Eigentum bieten und wie diese strategisch und gewinnbringend genutzt werden können.


Aber was genau ist eigentlich „geistiges Eigentum“?
Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Inwiefern betrifft das Thema überhaupt KMU?
Wie lässt sich ganz praktisch Nutzen daraus ziehen?

Wer könnte das besser erklären, als die Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihre Erfahrungen aus der Praxis mitteilen und aus dem handwerklichen Nähkästchen plaudern? Wir haben vier Unternehmenschefs aus verschiedenen Bereichen besucht, um über die verschiedenen Aspekte zu diskutieren. Sie alle haben das Thema „geistiges Eigentum“ in ihre Unternehmensstrategie integriert.  

 

Teil 4 - Mauro Salis, Carrosserie Salis

„Eines Tages hatte ich eine Idee“

Mauro Salis, der seit 2011 Teilhaber der Autowerkstatt Carrosserie SALIS ist, die heute 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, hatte schon immer Erfindergeist. 2017 gelang es ihm, ein Patent für einen Reifen mit einer Notlaufeigenschaften bietenden Luftkammer anzumelden.  

 

Was hat Sie zu dieser Erfindung bewogen? 

Einer meiner Kunden hatte mir von einem Missgeschick in der Schweiz erzählt, wo er mit geplatztem Reifen in einen Tunnel habe fahren müssen, da es keine Möglichkeit gab, anzuhalten. Anschließend war sein Reparaturset nutzlos, da der Reifen nach den noch gefahrenen Kilometern einfach zu stark beschädigt war. Ich habe begonnen, mir Gedanken zu diesem Thema zu machen und zusammen mit meinem Sohn einige Untersuchungen durchgeführt und getüftelt. Kurz gesagt: Wir beschlossen, einen Reifen im Inneren mit einer Luftkammer zu versehen. Das war nicht so einfach, denn die erste Lösung brachte zu viele Probleme in punkto Erschütterungen/Vibrationen mit sich. Daraufhin haben wir mehrere Möglichkeiten ausprobiert, bis wir die geeignete Lösung gefunden hatten, für die dann auch das Patent erteilt wurde. Zur Anmeldung des Patents hatte mir mein Sohn geraten. Damals kannten wir das IPIL nicht und hatten auch sonst keine Kontakte in diesem Bereich. Mein Anwalt verwies mich an einen Patentanwalt.  

 

Wie lief die Zusammenarbeit mit diesem Patentanwalt?

Nachdem wir ein Jahr lang an der Entwicklung der Erfindung gearbeitet hatten, dauerte es noch neun Monate bis zur Anmeldung des Patents. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich; es war nicht ganz leicht zu verstehen, um was es da genau ging. Für mich war das Fachchinesisch. Mein Patentanwalt hat sich allerdings die Zeit genommen, mir das alles zu erklären. Er hat für mich auch den Antrag auf staatliche Förderung erstellt. Nun muss es vorangehen, da zeitlicher und finanzieller Aufwand relativ groß war.

 

Welche Schritte planen Sie denn als nächstes?

Das ist zwar nicht meine erste Erfindung, aber die erste, die patentiert wurde. Nun sind einige Dinge zu erledigen: Ich muss Kontakt zu Unternehmen aufnehmen, die an meiner Erfindung interessiert sein könnten, denn ich werde den Reifen mit Sicherheit nicht selbst produzieren. Daher gilt es jetzt, sich mit dem Thema der Lizenzierung auseinanderzusetzen. Zu klären ist, ob es notwendig ist, eigens ein Unternehmen für die Verwertung des Patents zu gründen. Darüber hinaus muss das Produkt auch auf Messen und Fachausstellungen präsentiert werden. Am Ende ist aber alles eine Frage der Unterstützung, Zeit und Ressource. 

 

Welche Botschaft möchten Sie dem Handwerk in Luxemburg in Sachen geistiges Eigentum vermitteln? 

Ich habe Zeit verloren, weil ich mich nicht auskannte und nicht wusste, an wen ich mich wenden sollte. Es ist wichtig, sich vorher über das gesamte Umfeld im Bereich Innovation und geistiges Eigentum in Luxemburg zu informieren. Man muss wissen, wie die Dinge anzugehen sind und wen man kontaktieren kann und sollte. Darüber hinaus rate ich den anderen Handwerkern, die Ideen haben, nach vorne zu schauen, zu überlegen, was man aus seinen Ideen machen könnte ... das gibt einem selbst viele Impulse. 

Dieses Interview ist vierter und damit letzter Teil einer vierteiligen Serie:

Teil 1 - Julie Conrad, Julie Conrad Design Studio

Teil 2 - Jean Muller, Moulins de Kleinbettingen

Teil 3 - Norbert Brakonier, BrakoN!er – individually manufactures interiors & furniture

Die Interviews erschienen in Französischer Sprache im d’Handwierk Sept 2019 und wurden von Xavier Delecroix (IPIL) und Elke Hartmann (CDM) geführt.  

 

Die diesjährigen „Afterworks de la Propriété Intellectuelle“ finden am 10., 16. und 23. Oktober 2019 statt.

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