Die Wertschöpfungsketten des Handwerks werden sich enorm verändern

Mon entreprise Publié le 14.02.2019
IoT

Handfeste Beispiele aus der Praxis, ein fantastisches Netzwerk und Erfahrung aus weit über 100 Branchen des deutschen Mittelstandes ergibt CHRISTOPH KRAUSE. Als Designer, Innovation Coach und Digital-Stratege denkt, arbeitet und spricht er zu Themen der digitalen Transformation. Die Schwerpunkte liegen in der Entwicklung zukunftsweisender Geschäftsmodelle und der durchgängigen Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Als Design-Thinker und Digitalisierungsexperte begleitet er im Rahmen des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk Unternehmen auf dem Weg in die digitale Zukunft.

Christophe Krause
Fotograf: Stefan Veres

Man hört immer öfters von Internet der Dinge, aber was genau verbirgt sich dahinter und ist das Handwerk auch von dieser neuartigen Technologie betroffen? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir den Digitalisierungsexperten, Christophe Krause, zum Thema befragt. 

 

 

 

  • „Internet der Dinge“: Was verbirgt sich konkret dahinter?

Wir sind gerade auf dem Wege, dass die Dinge unseres Alltages sich mit dem Internet verbinden. Ob Auto, Haus oder Arbeitsplatz - schon jetzt gibt es viele Bauteile, die über ihre Sensoren Daten aufzeichnen, auswerten und uns daraus Services anbieten. Dies wird unser Leben immer mehr vereinfachen. Dieses Zusammenspiel von echten Produkten und digitalen Services nennt man das Internet der Dinge. Ob Heizungsanlage, Bohrmaschine oder Badarmatur - gerade die Produkte, die das Handwerk installiert, bieten große Potentiale auf dem Weg in die Zukunft.

Am besten kann man sich das Internet der Dinge in fünf übereinanderliegenden Ebenen vorstellen. Ebene eins bilden die physischen Produkte und Gegenstände. Durch Sensoren (Ebene zwei) können nun verschiedene Daten aufgezeichnet werden. Diese Daten nun aus den einzelnen Gegenständen zu transportieren stellt Ebene drei dar. Hierzu benötigt man flächendeckende Netze wie 4G, 5G oder LoraWan. In der Ebene vier können wir nun die gesammelten Daten aus- und bewerten. Mit Hilfe dieser qualitativen Daten können wir nun auf Ebene fünf einen digitalen Service für unsere Kunden anbieten.

Christophe Krause
„Die fünf Ebenen im Internet der Dinge“, Kompetenzzentrum Digitales Handwerk

 

  • Was macht das Internet der Dinge zu so einem großen Trend? Was ist Sinn und Zweck, wo kann das sinnvoll sein?

Die aktuellen Entwicklungen im Internet der Dinge sind dort erfolgreich, wo sie eine konkrete Prozessverbesserung oder einen echten Kundennutzen bringen. Wenn der Tischler aus seinem Holz alle wichtigen Daten zur Holzfeuchtigkeit, der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit direkt auf seinem mobilen Gerät anzeigen kann, spart er enorm Zeit und schafft zudem einen echten Wissensspeicher. Dieses Beispiel haben wir hier in Koblenz gemeinsam mit der Tischlerei Kasper einfach mal erprobt. Wenn unsere Mitmenschen in den verschneiten Alpen die Schneelast auf den Dächern mit Sensoren messen könnten, würde ihnen dies mehr Sicherheit und weniger schlaflose Nächte bescheren. Denkt man weiter in die Zukunft, kann gerade das Zusammenspiel von intelligenten Produkten und der Einsatz von intelligenten Assistenzsystemen enorme Vorteile für uns bringen.

  • Warum soll sich das Handwerk unbedingt mit dem Internet der Dinge beschäftigen?

Die Entwicklungen im Internet der Dinge werden die Wertschöpfungsketten des Handwerks enorm verändern. Die Heizungsanlage, die selbstständig einen Monteur beauftragt, die Dachrinne, die ihre Reinigung prognostiziert, das Möbel, welches dem Kunden geeignete Pflegeprodukte vorschlägt. Schaut man sich die Prozesse im Handwerk an, gibt es unzählige Anwendungsfälle. Das macht es interessant für völlig neue Marktpartner hier anzugreifen. Industrie, Handel und StartUps haben längst die Chancen erkannt, die in den Produkt- und Servicewelten des Handwerks schlummern. Gerade den Zugang zu datenbasierten Geschäftsmodellen muss sich das Handwerk sichern. Hier heißt es sich zusammenzuschließen und eigene Akzente zu setzten.

  • Wird das Internet der Dinge das Handwerk verändern?

Der Wandel des Handwerks vom reinen Produzenten oder Installateur hin zum digitalen Serviceanbieter ist vorprogrammiert. Viele Partner entwickeln gerade Lösungen, um an der Wertschöpfung der Daten beteiligt zu sein. Das Handwerk ist gut beraten sich rechtzeitig auf diesen Wandel vorzubereiten, wenn es zukünftig eine eigenständige Rolle spielen möchte. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn wir anfangen flächendeckend und Gewerke übergreifend zu denken. Der Metallbauer, der das intelligente Fenster anbietet, wird mehr denn je IT-Experte sein müssen. Der Sanitär-Heizung-und Klimahandwerker wird nicht umhin kommen seine Systeme an die Smarthome Anlagen der Kunden anzubinden. Dies heißt vernetzten, neues lernen und nicht zuletzt unsere jetzige Aus- und Weiterbildung in die Zukunft zu entwickeln.

  • Gibt es heute schon nennenswerte Beispiele aus dem Handwerk?

Das war auch für uns die spannendste Frage. Um sie zu beantworten, haben wir den ersten deutschen Hackathon Handwerk gestartet. Hackathon? Die Wortschöpfung aus „Hack(en)“ und „Marathon“ meint die gemeinsame Lösung von gestellten digitalen Herausforderungen. Hierbei arbeiten verschiedene Teams in wechselnder Zusammenstellung an je einer Fragestellung zum Internet der Dinge.

Ein Team aus dem Malerhandwerk entwickelte eine funktionierende Lösung, um infolge von Wasserschäden in Gebäuden die Abfolge der erforderlichen unterschiedlichen Handwerkerleistungen per Sensorik zu steuern. Selbst das rechtzeitige Ausleeren des Wasserbehälters aus den Trocknungsgeräten wurde dem Kunden auf sein Smartphone gesendet. Ein im Gefäß eingebauter Sensor sagte rechtzeitig bescheid.

Ein Tischlerteam entwickelte in wenigen Stunden eine funktionierende Lösung, um den professionellen Umgang mit einer Schleifmaschine zu verbessern. Zwei Sensoren weisen zukünftig den Handwerker auf zu starken Anpressdruck und eine zu hohe Temperatur am Schleifteller hin.

Ein weiteres Thema war es, eine intelligente Lagerverwaltung mit dem Sprachassistenten Alexa in Verbindung zu bringen. Bei der Abschlusspräsentation konnte man Alexa fragen: Wo ist mein Hammer? Die Plattform antwortete mit dem genauen Standort des Werkzeuges.

Also zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es unendlich viele gute Szenarien für das Handwerk im Internet der Dinge gibt. Der nächste Hackathon Handwerk ist schon in Planung.

Wollen auch Sie die Grundlagen der Programmierung und die Potenziale des Internet der Dinge für Ihr Gewerke kennenlernen? Dann nehmen Sie doch am 26. März 2019 an unserem, in Rahmen der „Tour de Handwierk“ organisiertem, interaktiven Workshop „Les futurs objets digitalisés de votre activité“ im LIST teil. Für weitere Informationen oder zur Anmeldung, besuchen Sie bitte unsere Internetseite.

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Weitere Informationen

Für weitere Informationen können Sie gerne unsere Internetseite besuchen: www.cdm.lu/ehandwierk

 

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