Luxemburg setzt seine Strategie zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs fort und baut dafür die Förderinstrumente für Unternehmen aus. So hat das „Ministère de l’Economie“ (Wirtschaftsministerium) im Sommer 2026 zwei neue Projektaufrufe gestartet, um die Anschaffung von schweren Nutzfahrzeugen mit Null-Emissionen sowie den Ausbau privater Ladeinfrastrukturen für diese Fahrzeuge zu unterstützen.
Der Verkehrssektor zählt zu den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen in Luxemburg. Um Unternehmen bei ihrer Energiewende zu unterstützen, hat die Regierung mehrere Förderprogramme ins Leben gerufen, die die Elektrifizierung von Firmenfahrzeugen und die Installation von Ladestationen fördern.
Im Rahmen der von der Klima-Agence organisierten „Electric Sessions“ des Programms „Klimapakt fir Betriber“ betonte Wirtschaftsminister Lex Delles, dass die hohe Beteiligung an den bisherigen Projektaufrufen das wachsende Engagement der Transport-, Logistik- und Industriebranche für nachhaltigere Mobilitätslösungen belege.
Zwei neue Projektaufrufe im Jahr 2026
Die neuen Projektaufrufe laufen vom 20. Juli bis zum 18. September 2026.
Der erste Aufruf betrifft die Anschaffung oder Umrüstung von schweren Straßenfahrzeugen mit Null-Emissionen. Er richtet sich mit einem Budget von 10 Millionen Euro an in Luxemburg ansässige Unternehmen, die in emissionsfreie Lastkraftwagen investieren oder ihre bestehenden Fahrzeuge umrüsten möchten.
Um den Marktanforderungen besser gerecht zu werden, wurde das Budget auf drei Kategorien verteilt:
Diese neue Aufteilung basiert auf den Erkenntnissen aus dem ersten Projektaufruf. Dieser hat unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen je nach Gewicht und Einsatzbereich der Fahrzeuge aufgezeigt.
Attraktive finanzielle Unterstützung für emissionsfreie Fahrzeuge
Das Förderprogramm für Fahrzeuge mit Null-Emissionen basiert auf einem Wettbewerbsverfahren. Unternehmen müssen ihren Förderantrag vor Abschluss eines Kauf-, Miet- oder Leasingvertrags einreichen. Anschließend werden die Projekte anhand der im Lastenheft des Projektaufrufs festgelegten Kriterien bewertet.
Gefördert werden der Kauf oder das Leasing von leichten und schweren Nutzfahrzeugen ohne direkte Emissionen sowie die Umrüstung bestehender Fahrzeuge auf emissionsfreie Technologien. Insbesondere förderfähig sind batterieelektrische Fahrzeuge, wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Fahrzeuge mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Dieser technologieoffene Ansatz ermöglicht es Unternehmen, die für ihre Tätigkeit am besten geeignete Lösung zu wählen.
Laut Angaben des Wirtschaftsministeriums können die Beihilfen bis zu 100 % der förderfähigen Mehrkosten abdecken. Diese entsprechen der Preisdifferenz zwischen einem emissionsfreien und einem vergleichbaren konventionellen Fahrzeug. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine der größten Hürden für die Einführung dieser Technologien abzubauen: die höheren Investitionskosten. Die Ausschreibung erfolgt wettbewerbsbasiert d.h. in Abhängigkeit von der Teilnehmerzahl werden/können bis zu 10% der teilnehmenden Projekte eliminiert werden können – Kriterium ist hierbei die Höhe der angefragten Förderhöhe.
Der zweite Projektaufruf betrifft private Ladeinfrastrukturen für schwere Nutzfahrzeuge. Mit einem Budget von 4 Millionen Euro soll er Unternehmen dabei unterstützen, Ladeeinrichtungen an ihren Betriebsstandorten zu installieren und so die schrittweise Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotten voranzutreiben.
Ladeinfrastrukturen als unverzichtbarer Baustein
Die Elektrifizierung von Lkw-Flotten ist nur mit einem geeigneten Ladenetz möglich. Aus diesem Grund hat Luxemburg schrittweise verschiedene Förderregelungen für Ladeinfrastrukturen eingeführt. Das geänderte Gesetz vom 26. Juli 2022 sieht insbesondere Beihilfen für Unternehmen vor, die in Infrastrukturen für alternative Kraftstoffe wie elektrische Ladestationen investieren.
Im Rahmen des neuen Projektaufrufs für schwere Nutzfahrzeuge müssen die Ladeinfrastrukturen eine Mindestleistung von 175 kW aufweisen, um förderfähig zu sein. Zu den förderfähigen Investitionen zählen unter anderem Ladestationen, Netzanschlüsse, intelligente Energiemanagementsysteme, Datenübertragungseinrichtungen sowie bestimmte, unmittelbar mit dem Projekt verbundene Tiefbauarbeiten.
Unternehmen, können Zuschüsse von bis zu 50 % der Investitionskosten erhalten. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine wettbewerbsbasierte Ausschreibung.
Positive Bilanz der ersten Förderprogramme
Die neuen Projektaufrufe bauen auf mehreren Initiativen auf, die seit 2025 umgesetzt wurden. Im Bereich der Ladeinfrastrukturen sind die bisherigen Ergebnisse vielversprechend. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums konnten durch die ersten fünf Projektaufrufe insgesamt 112 Projekte gefördert werden. Dadurch wurden mehr als 1.600 Ladepunkte mit einer installierten Gesamtleistung von nahezu 94 MW geschaffen. Insgesamt wurden Fördermittel in Höhe von mehr als 19 Millionen Euro bewilligt.
Im Januar 2026 wurden außerdem weitere Projektaufrufe gestartet, um den zukünftigen Bedarf, insbesondere im Bereich schwerer Nutzfahrzeuge, frühzeitig zu berücksichtigen. Hierfür standen 7 Millionen Euro für AC-Ladeinfrastrukturen und 5 Millionen Euro für spezielle Infrastrukturen für schwere Nutzfahrzeuge zur Verfügung.
Der erste Projektaufruf für schwere emissionsfreie Nutzfahrzeuge, der zwischen Februar und April 2026 geöffnet war, verfügte über ein Budget von 10 Millionen Euro und sollte bereits die Energiewende im gewerblichen Transportsektor beschleunigen.
Durch die Kombination von Investitionshilfen für Fahrzeuge und der Förderung des Ausbaus von Ladeinfrastrukturen positioniert sich Luxemburg als eines der aktivsten Länder der Großregion bei der Unterstützung von Unternehmen auf dem Weg zu einer klimafreundlichen und emissionsarmen Mobilität.
Weitere Informationen:
· Beihilfe zugunsten von Ladeinfrastrukturen infolge eines Projektaufrufs